Chongqing – die größte Stadt der Welt
Chongqing – die größte Stadt der Welt

Chongqing – die größte Stadt der Welt

Peking, Shanghai und Hongkong sind Städte in China die uns bekannt sind. Daneben haben wir auch von Wuhan, Shenzen oder Xi’An einmal gehört und in unserem Freundeskreis ist Chengdu ein Begriff. Aber Chongqing hatten wir bisher noch nicht gekannt. Dabei ist es die flächenmäßig größte Stadt der Welt, über 32 Millionen Einwohner leben in Chongqing. Die Fläche ist fast so groß ist wie Österreich. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass Chongqing, ähnlich wie Hamburg, Berlin und Bremen, ein Stadtsaat ist (provinciallevel municipality). Die Flächen- und Bevölkerungsangaben beziehen sich auf die Gesamtfläche der Provinz, der Stadtkern hat dann doch nur 17 Millionen Einwohner.

Chongqing in zwei Tagen

Wir haben etwa zwei Tage Zeit. Von Chengdu aus fahren wir mit He und seinen Eltern im Auto fünf Stunden nach Chongqing. Die Autobahnen sind gut ausgebaut und die meiste Zeit kaum befahren. In China scheint es bei den Spuren andere Regeln zu geben, als bei uns. Die größeren Autos fahren meist auf der linken Spur. Die kleineren Autos dagegen auf einer der mittleren oder der rechten Spur. Überholt wird von allen Seiten. Im Vergleich zu Europa sehen wir recht wenig LKWs, He erklärt, dass viel Fracht per Eisenbahn transportiert wird.

Ankommen, Essen und Skyline

Wir kommen abends in unserem Hotel an und ziehen fast direkt weiter. He, Scarlett und ich werden von Hes Cousin Kai und seiner Freundin Yifei abgeholt. Sie führen uns herum und zeigen uns die schönsten Spots dieser riesigen, futuristischen Stadt. Wir wollen zunächst etwas essen und fahren in ein Restaurant mit kantonesischer Küche (also nicht so scharf). Das Restaurant befindet sich in einer Seitenstraße. Erst beim Verlassen und auf dem Weg zurück ins Parkhaus merken wir, dass wir uns nicht, wie gedacht, im Erdgeschoss befinden, sondern ein Stockwerk darüber. Die Stadt spielt sich auf verschiedenen Ebenen ab, es gibt Hochhäuser auf deren Dach man eine Tankstelle findet. Es ist fast, als wären wir in der Filmkulisse von The 5th Element.
Mit dem Auto fahren wir noch ein wenig durch die Stadt, entlang der vielen Wolkenkratzer. Kai führt uns zu einem Aussichtspunkt mit Blick auf die bunt beleuchtete Skyline der gegenüberliegenden Flussseite. So etwas beeindruckendes haben wir tatsächlich noch nie gesehen. Wir sind etwas spät dran, einige Lichter sind schon ausgeschaltet, wir beschließen am nächsten Tag nochmal wiederzukommen.

Chongqin Downtown

Am nächsten Tag, einem Samstag, werden wir erneut von He, Kai und Yifei abgeholt. Zunächst fahren wir in eine Mall im neuen Teil der Stadt. Hier hat Kai ein Restaurant bzw. Imbiss mit dem Namen Kaikitchen, in dem er leichte Gerichte im Fusionstil (Western/Asian) verkauft. Es gibt Bowls, Curries, Salate oder Burger. Wir probieren uns durch ein paar Gerichte, die sehr gut sind. Er hat noch zwei weitere Läden in der Stadt. Leider hatte er schlechtes Timing, als er sich Ende 2019, kurz vor der Pandemie, selbstständig machte. Nach einer anfänglichen Durststrecke läuft das Geschäft jetzt besser. Wir wünschen ihm viel Glück und Erfolg mit seinem Unternehmen.

Wir laufen ein wenig durch die Straßen der Neustadt. Der Uhrenturm in der Innenstadt, das Befreiungsdenkmal, war vor 50 Jahren das höchste Denkmal der Stadt. Heute wirkt er verloren zwischen den ganzen Hochhäusern. Welche Befreiung, von den Japanern oder der Republik, das weiß man heute gar nicht mehr so genau.

Kai kennt sich sehr gut aus in dieser riesigen Stadt. Er führt uns ins Westin Hotel. Hier hat man vom 53. Stock des Wolkenkratzers einen grandiosen Blick über die Stadt. Allerdings hängt eine Mischung aus Smog und Wolken in der Luft, so dass wir nicht allzuweit schauen können. Trotzdem ist die Aussicht spektakulär.

Jangtse Fluß

In Chongqing mündet der Jialing in den Jangtse, der mit 6380 Kilometern der längste Fluss in der Volksrepublik China ist. 1987 wurde eine Seilbahn über den Fluß gebaut. Ursprünglich als Transportmittel gedacht, um über den Fluß zu kommen, ist es heute vor allem ein Touristenmagnet. Da wir für die Seilbahnfahrt über eine Stunde anstehen müssten, fahren wir lieber über eine der vielen Brücken auf die andere Uferseite. Dort hält Kai kurz am Straßenrand an, damit wir ein Foto vom Jangtse und der Skyline machen können. Nach wenigen Minuten hupt er und gibt uns zu verstehen, schnell ins Auto zurückzukehren. Dort erzählt er uns, dass er eine Nachricht auf sein Handy von der Polizei bekommen hat, er möge seinen Wagen wegbewegen. Kameras sind in China wirklich überall.

Abendessen

Nächster Stop ist Kais Familie. Hier treffen wir auch Hes Eltern und Tanten, sowie weitere Familienmitglieder. Wir werden zu einem sehr üppigen Abendessen eingeladen und sind überwältigt von der Freundlichkeit und Großzügigkeit, mit der wir von der Familie aufgenommen werden. Zu sehen, dass uns das Essen schmeckt und wir unseren Aufenthalt genießen, scheint ihnen die liebste Anerkennung und Dank zu sein. Das fällt uns nicht schwer. Für den Moment können wir uns nur immer wieder bedanken und ihnen das Versprechen abnehmen, dass sie uns auch einmal in Deutschland besuchen.

Nachtleben in Chongqing

Abends sollen wir das Nachtleben in Chongqing kennenlernen. Zunächst aber fahren wir nochmal ans Flussufer, um die Skyline bei Dunkelheit zu fotografieren. Danach ziehen wir weiter. Funfact: In Chinas Metropolen sind Fahrradfahrer mit Klapprad unterwegs, die man per App zu sich bestellen kann, wenn man etwas getrunken und ein paar Promille auf der Uhr hat, aber sein Auto nicht in der Stadt stehen lassen möchte. Die Fahrer übernehmen dann die Heimfahrt, wobei sie ihr Klapprad im Kofferraum mitnehmen. Zu Hause angekommen, nehmen sie das Klapprad und fahren weiter zum nächsten Kunden oder zur nächsten Kundin. Die Strafen, sogar für kleinste Mengen Alkohol am Steuer sind sehr streng, es drohen sogar kurze Gefängnisstrafen. Wir brauchen heute keinen Fahrer, denn wir fahren zunächst zu Kais Wohnung und legen ein paar Sachen ab. Er wohnt praktischerweise in der Nähe vom Partyviertel, es sind nur ein paar Minuten zu Fuß. Aber erst machen wir noch, warum auch immer, einen Abstecher in eine Tierhandlung. Fische, Katzen, Mäuse, Vögel, Schlangen und andere Reptilien werden hier verkauft, soweit ok. Dass dort ein Känguru in einem Minigehege herumhüpft und man sogar Waschbären kaufen kann, ist uns dann doch etwas befremdlich.

Unser erster Anlaufpunkt ist eine Live Music Hall. Ein paar Social Media Stars singen chinesische Popsongs auf einer großen Bühne. Live, ohne Playback. Stehplätze gibt es im Innenraum nicht, alle sitzen an Tischen und haben eine riesige Auswahl an Getränken und kleinen Snacks vor sich stehen. Die Stimmung ist sehr gut. Die Acts treten nacheinander auf, unter der Menge haben sich ihre jeweiligen Fanclubs versammelt. Gesungen werden ausschließlich bekannte chinesische Hits, sodass alle mitsingen können (alle außer uns beiden, die leider nicht Textsicher sind). Am Ende wird der Favorit des Abends per App gewählt. Die Fans können ihre Idole durch die Sozialen Medien aber auch direkt finanziell unterstützen, indem sie zum Beispiel Autogramme, gemeinsame Fotos oder ein Meet and Greet buchen. Wir nehmen zunächst an der Bar Platz, Kai verschwindet für eine einige Zeit, dann bekommen wir einen Tisch direkt vor der Bühne. Getränke werden per App bestellt und bezahlt. Nach einiger Zeit ziehen wir weiter. Wir besuchen noch zwei weitere Clubs, einer im westlichen (Musik-) Stil, der andere nach chinesischer Art. Am Ende des Abends kehren wir noch auf ein Frühstück ein. Statt Schnitzelbrötchen gibt es Chicken Wings, Lammspieße, geschüttelte Gurken und Muscheln.

Weiterreise

Als um 8 Uhr am nächsten Tag der Wecker klingelt und wir zum Bahnhof müssen, sind wir wenig begeistert. Wir brechen auf nach Kunming, unserem letzten Stop in China.

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Ein Kommentar

  1. Pingback: Kunming - letzter Halt in China und Weiterreise nach Laos - Im Nachtzug nach Hanoi

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